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Zeithaben

Vom Zeithaben und achtsamen Zuwenden

Oberflächlich ist modern geworden. Zeithaben ist selten geworden. Aufmerksam sein ist fremd geworden. Statt sich in krankmachenden und schnell beantworteten Diagnose-Fragen zu verlieren, ist es oftmals nicht nur ausreichend sondern auch nötig, sich dem Eigenen aufmerksam zuzuwenden. Doch wann und wie? Eine Generation erinnert sich vielleicht noch an ein Wertesystem aus vergangenen Zeiten. Nachfolgenden ist vielleicht nur das Derzeitige bekannt. Wie dem auch sei…

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Kleiner Jahresrückblick

…auf das ver-rückte Cor-ona-Jahr

2020 steht für Wandel. Es geht anders weiter. Das Gewohnte ist nicht mehr zeitgemäß. Die Natur zeigt uns mehr als deutlich, dass es dafür längst an der Zeit ist. Andere Richtungen einzuschlagen, neue Wege zu gehen, Möglichkeiten zu entdecken und kennenzulernen. Jeder ist seit Monaten angesprochen und dazu eingeladen. „Cor“ – das Herz. Wie oft haben wir alle in diesem Jahr dieses Wort ausgesprochen? Wie oft sind wir in diesem Jahr auf der Ebene berührt und aufgefordert.

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Mein Traum von einem…Café?

Buchvorstellung
„Gehört der Traum mir oder gehöre ich dem Traum“
von Kerstin Kleber

Rennen für ein Leben im Kopf? Oder – Mich leben!
Scheinbar geht für Ella ein lang gehegter Traum in Erfüllung: Sie eröffnet ihr eigenes Café. Obwohl sie weder mit Selbstständigkeit noch mit Gastronomie Erfahrung hat, stürzt sie sich mit großer Energie in ihr Vorhaben…warum? Doch Ella gibt nicht auf. Sie rennt ihrem vermeintlichen Traum immer weiter hinterher…warum? Mit der Zeit wird aus dem seinerzeit mit Herzblut gestartetem Projekt nach und nach ein Kampf und Ella merkt, dass es ihr mehr zusetzt, als sie sich zunächst eingestehen will…warum? Wird Ella Antworten finden?
In dieser autobiografischen Erzählung geht es um Perfektionismus und Selbstzweifel, als auch um Getriebensein und Veränderung.
Der Inhalt kann als Ratgeber für Menschen mit ähnlichen Lebensthemen dienlich sein.

Familiäre Probleme lösen

Familiäre Probleme lösen –

eine kurze Überschrift zu einem weitreichenden Lebensthema

Gibt es überhaupt irgendjemanden auf diesem Planeten, der oder die rückblickend sagen könnte: „ Das Thema familiäre Probleme lösen kam in meinem Leben nicht vor.“?  Als Kind, Jugendliche, Erwachsene, Tochter, Partnerin, Ehefrau, Tante, Mutter und… hier käme jetzt die Oma wenn ich bereits eine wäre, sind mir in meinem Leben familiäre Probleme der unterschiedlichsten Strukturen begegnet. Ebenso in meinem Beruf als Therapeutin, Psychologische Beraterin und Life Coach erfahre ich täglich, dass jeder Einzelne familiäre Probleme erlebt, hinter sich hat, oder diese aus den verschiedensten Gründen unbearbeitet (verdrängt) in sich trägt. In meinem folgenden Artikelbeitrag möchte ich Sie, liebe Leserin und lieber Leser, zu einem kleinen Exkurs im genannten Thema einladen.

Zunächst zerlege ich die Überschrift in zwei Teile.

  1. Familiäre…

Um welche Familienkonstellation handelt es sich? Diese Frage spielt eine wesentliche Rolle. Warum das so ist? Ganz einfach, weil jeder Mensch in jedem System seinen Platz hat. Um nur einige Familiensysteme zu nennen:

  • Kleine oder große Familie
  • Einzelkind, leibliche Geschwister oder Halbgeschwister
  • Patchwork-Familie
  • Altersabstand der Geschwister untereinander
  • Altersabstand zu den Eltern bzw. zu den Bezugspersonen
  • Leibliche oder Adoptiveltern
  • Herkunftsfamilie, Pflegefamilie oder Wahlfamilie
  • Alleinerziehend mit Kind(er)

Vielleicht finden Sie sich mit Ihrer Familienkonstellation wider, vielleicht ergänzen Sie die Aufzählung.

  1. …Probleme lösen.

Gibt es per se DAS Problem? Oder (ab) wann nennt man Probleme eigentlich Probleme?

Geht es z. B. um Schwierigkeiten, Ärger, Auseinandersetzungen, Streit oder Unannehmlichkeiten sprechen wir oftmals von einem Problem. Aber ist jetzt der Streit das Problem oder habe ich ein Problem mit dem Streit? Geht es um Unannehmlichkeiten betitelt als  …das Problem… oder ist die Situation für mich unangenehm und wird dadurch für mich zu einem Problem? Habe ich ein Problem als Solches oder habe ich Schwierigkeiten mit … umzugehen? Um was geht es eigentlich?! Und das ist tatsächlich mehr als eine Frage.

Schon an dieser Stelle ist erkennbar, was sich hinter der Thematik verbirgt: Das Familiensystem und(!) jeweils der Einzelne.

Familiäre Probleme lösen. Beginnen wir mit der familiären Konstellation,

die, wie bereits erwähnt, eine wesentliche Bedeutung hat. Es geht um den eigenen Blickwinkel auf die Situation. Erlebe ich die Kommunikationsebene auf Augenhöhe oder nicht. Erlebe ich die Handlungsebene selbst- oder fremdbestimmt. Erlebe ich mich selber innerhalb der Familie auf dem „richtigen Platz“ oder stellt mich das System auf den Platz, auf dem ich mich befinde. Oder anders herum, versuche ich den vielleicht freien oder frei gewordenen Platz (m)einer familiären Konstellation einzunehmen, oder, oder, oder. Fühle ich mich auf diesem Platz wohl? Wir kennen den Begriff Konstellation aus der Astrologie, dem Sternenbild, die Stellung der Planeten und des Mondes zur Sonne und zueinander. Sicherlich kennen Sie Ihr astrologisches Sternbild – Ihr Sternzeichen, in dem Sie geboren wurden. Übertragen wir diese Begrifflichkeiten auf die Familie wird anschaulich, was gemeint ist. Wie stehen wir innerhalb der Familie zueinander? Stehen wir überhaupt zueinander? Letzteres ist nicht zu verwechseln mit Meinungsunterschiedlichkeiten oder Streitigkeiten! Zueinanderstehen heißt nichts anderes wie, auf Beziehungsebene zueinanderhalten, sich innerhalb der Familie dazugehörig fühlen und leben, damit aus den einzelnen Teilen (Familienmitgliedern) das ganze System (Familiensystem) stabil ist und aus sich heraus harmonisch funktionieren kann. Eine Stabilität, die eine Basis schafft. Jedes Familienmitglied für sich, von seinem Platz aus, trägt einen Teil zum Ganzen bei. Jeder steht in einer gewissen Verantwortlichkeit für sich und die anderen. Das System ist geordnet.

Jetzt wird es persönlich. Wie das gemeint ist?

Stellen Sie sich vor, ich würde in Ihrer Familie alle Beteiligten fragen, wie sie/er „das Problem“, das Sie beschäftigt, erleben. Was denken Sie? Bekomme ich jedes Mal die gleiche Antwort oder schildert jeder sein individuelles Erleben? Haben überhaupt alle das oder ein Problem? Das hängt tatsächlich immer von jedem Einzelnen ab.  Vielleicht hat A ein Problem mit B aber B hat kein Problem mit A. Wenn dem so ist, über welche Lösung sollte B nachdenken, wenn er doch noch nicht einmal ein Problem erkennt. Weiter hypothetisch – vielleicht ist B sogar mit der familiären Situation zufrieden und möchte keine Veränderung. Dann wäre eine Lösung für B sogar contra und was dann? Hat dann auf einmal B ein familiäres Problem?? Um es auf den Punkt zu bringen: DIE Lösung gibt es nicht! Kann es gar nicht geben.

Was es aber gibt sind

lösungsorientierte Ansätze bei familiären Problemen.

Dazu müssen allerdings alle Beteiligten, ob sie/er nun ein Problem hat oder nicht, in der Bereitschaft dessen sein. Und das heißt: Miteinander! Denn, Familie sind immer mindestens zwei Personen die in Beziehung stehen. Wenn wir über familiäre Probleme (lösen) reden, bedeutet es, dass es um mehrere Personen auf Beziehungsebene geht. Involvierte Personen, die selbstverständlich unterschiedlicher Meinung oder Ansichten sein können und diese auch den oder dem anderen gegenüber kundtun. Ein offenes und direktes Kommunizieren manchmal vielleicht auch ein konstruktives Streiten. Um die Voraussetzung für eine lösungsorientierte Richtung zu schaffen, sonst wäre es nicht konstruktiv sondern destruktiv, braucht es von jedem Einzelnen, neben der inneren Haltung zum Für statt Gegen, auch das eigene Leistungspotenzial. Das Für steht sowohl für das System, als auch für das einzelne Mitglied des Systems. Mit dem eigenen Leistungspotenzial ist zunächst der Blick auf sich selber, im Sinne einer gesunden Selbstreflektion, gemeint. Wie ist mein Verhalten gegenüber…? Warum reagiere ich so auf…? Was höre ich von…? Was vermeide ich bei… oder was will ich von…? Um nur ein paar Beispielfragen zu nennen. Auf die eigenen Anteile schauen zu können nimmt Druck aus dem gesamten Geschehen. Auch das bedeutet in Folge miteinander statt gegeneinander. Ich mit mir und mit dem/den Anderen statt gegen mich selber und gegen den/die Anderen agieren. In der Persönlichkeit weiterführend, sich entwickelnd, denn Stillstand ist bekanntlich Rückschritt. Aus einer selbstreflektierten Herangehensweise lassen sich so manche, im Raum stehende Fragen, auch die der Anderen, beantworten. Probieren Sie es mal!

Ist Einheit und Stimmigkeit von der Familie und dem Familienmitglied gegeben, ist Lösung möglich. Alles kann, weil nichts muss. Aus meiner persönlichen Lebenserfahrung, sowohl privat als auch beruflich, kann ich rückblickend Folgendes feststellen:

Familiäre Probleme lassen sich lösen.

Mal kann der Weg zur Lösung über die Familie im gelebten Verbund führen, dazu bedarf es der oben beschriebenen Voraussetzungen. Ist dies nicht möglich, führt der Weg zur Lösung über sich selber, in der eigenen inneren Auseinandersetzung des familiären Problems. Als Wegweiser steht das Leben und nicht der eigene Wunsch. Vielleicht ist beides konform, vielleicht aber auch nicht. Annehmen was ist! Annehmen was kommt!

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, eine wertvolle lebendige Familienzeit.

Herzlichst Ihre Kerstin Kleber, die auch auf den Pfad des Annehmens kommen durfte.

Warum bin ich traurig

Warum bin ich traurig? …weil ich heute traurig bin.

Mitten im „Bilderbuch-Sommer“ voller Licht, gibt es sie auch – die Traurigkeit. Und während ich beginne diesen Artikel zu schreiben, erscheint nach einem heftigen Gewitter ein wunderschöner kräftiger Regenbogen am Himmel. Die Sonne kommt in ihrer ganzen Kraft zurück. „Warum bin ich traurig?“

Claudia S., eine 46jährige sympathische Frau.  Attraktiv, sportliche Figur, die sie über ihre modische Kleidung unterstreicht, gepflegte Haut und Haare, ein zartes Gesicht. Sie schaut mich mit ihren großen dunkelbraunen Augen an. Mit ihrer Körpersprache, hochgezogene Augenbrauen und Schultern, bringt sie zwar ihr Nicht-Verstehen zum Ausdruck, jedoch ist ihre Gemütsverfassung nicht lesbar. Ihr Rot geschminkter Mund öffnet sich und mit einer klaren Stimme stellt sie mir ihre Frage, die sie sich selber schon öfter in ihrem Leben gestellt hat, doch bisher darauf keine Antwort fand: „Warum bin ich traurig?“

Als Pädagogin sei sie in der glücklichen Lage, immer in den großen Ferien gemeinsam mit ihrer Familie einen längeren Urlaub zu machen. Eines von mehreren familiären Ritualen, auf das alle Wertlegen und es einhalten. Es sei für sie und ihren Ehemann, der als Beamter im Öffentlichen Dienst tätig ist, wie ein zweites Weihnachtsfest im Jahr, wenn sie mit ihren beiden studierenden Kindern Zeit genießen können. Ob Ausflüge, Einkaufen und Kochen, gute Gespräche beim Essen oder Motorradfahren. Tochter und Sohn teilen sich während des Studiums die geräumige Einliegerwohnung im Elternhaus. Finanziell gehe es ihnen gut. Das eigene Haus ist bezahlt, neben den laufenden Kosten können Anschaffungen und Freizeitaktivitäten bedient werden. Die Altersversorgung stehe auf stabilen Säulen. Eigentlich, so räumt Claudia S. ein, gebe es keinerlei Grund, doch wieder taucht mit einem großen Aber ihre Frage auf: „Warum bin ich traurig? Es kann doch nicht sein. Was ist denn mit mir los?“

Warum ist Claudia S. traurig? Schauen wir genauer hin …

Per se ist Traurigkeit keine Diagnose sondern ein Gemütszustand, hierzu später mehr.

Ich bitte Frau S., mir ihre Traurigkeit zu beschreiben. Wie tief (intensiv) ist sie? Empfindet sie in ihrer Traurigkeit Verzweiflung oder Ausweglosigkeit? Hat ihr Leben für sie noch einen Sinn? Wenn ja, welchen? Gibt es für sie eine Perspektive? In ihren Antworten liegt ganz sicher eines – Zukunft.  Als ich anfange mit Claudia S. über ihre Leidenschaft für klassische Musik zu sprechen nehme ich Sentimentalität wahr. Neben verschiedenen Konzerten, die sie demnächst besuchen möchte, verrät sie mir schwärmerisch, dass sie sich ein Saxophon kaufen möchte, hätte allerdings noch nicht das Richtige gefunden. Wir sprechen über ihre Träume.  Ein Thema, welches oftmals beim Frühstück angesprochen wird, denn Claudia träumt recht intensiv und da fragt ihr Mann schon mal nach, wenn er seine Frau aus ihrem tiefen Schlaf wecken muss. Der Langschläfer der Familie ist ganz sicher sie. Zu Beginn ihrer Partnerschaft war es ähnlich wie heute. Ihr Mann begrüßte sie am Morgen mit frischem Kaffeeduft. In der Zeit seit der Geburt ihres ersten Kindes bis zum Eintritt ihrer Wechseljahre im vergangenen Winter hatten ihre Hormone jeweils zu einer Veränderung (Umstellung) ihres Schlaf-Wach-Rhythmus beigetragen. Frau S. beschreibt diese, für sie eher als positiv empfundene Veränderung ihres Schlafbedürfnisses, mit einer gewissen Leichtigkeit in der Sache, die sie nie thematisiert hat. Überhaupt sei sie eher diejenige, die mit ihrem Optimismus Antrieb in den Alltag hineinbringe. Ideen oder Kreativität sind definitiv bei ihr zu finden. Im Verlauf unseres Gespräches wird ihre Stimme weicher und ruhiger. Auch in ihrer wiederholt eingefügten Frage: „… aber – warum bin ich traurig?“.

In dem soweit beschriebenen Fallbeispiel von Claudia S. bekommen wir einen Einblick in ein harmonisches und sinnerfülltes Leben. In der Beschreibung ihrer Kindheit liegen Geborgenheit, Nähe und Liebe mit Abstand vorn. Es gibt in ihrer Vita weder tiefe seelische Verletzungen, traumatische Erlebnisse, noch körperliche Schädigungen. Keine genetischen (erbliche) Auffälligkeiten, keine neurologischen bzw. andere hirnorganischen Ursachen. Ihre Symptomatik passt nicht in das depressive Erscheinungsbild, in Folge dessen fern ab vom Typus Melancholiker. Ich suche weiter und stelle fest, dass auch Medikamente, Stimulanzien oder Drogen, die durchaus auch als sogenannte unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) für das Empfinden von Traurigkeit verantwortlich sein könnten, in unserem Fallbeispiel nicht vorkommen. Wie bereits kurz erwähnt, ist

Traurigkeit per se keine Diagnose sondern ein Gemütszustand.

Allenfalls könnte sich die Traurigkeit jedoch als Wegweiser zeigen, der zu einer Diagnose führt, da es in der Symptomatik neben anderen zu dieser zählt. Beispielsweise könnte dieses eine extrem nachhaltige, langanhaltende Traurigkeit sein, ursächlich psychisch oder organisch begründet, dann pathologisch ist und einer therapeutischen Maßnahme bedarf. An dieser Stelle gehe ich nicht näher auf die pathologische Form ein, sondern wende mich wieder dem Fall, wie in unserem abgeklärten Beispiel, eines Gesunden zu. Denn, hier geht es nicht um kranksein, sondern um ein subjektives Empfinden, es fühlt sich in der Beschreibung als „gekränkt“ an, dass in seiner Dauer und Intensität variieren kann. Jeder Einzelne hat eigene Erlebnisse, Erkenntnisse, Werte oder Themen auf ihrem/seinem bisherigen Lebensweg gesammelt und abgespeichert, die individuell zu ihrer/seiner Persönlichkeit und zum ganz eigenen Lebenssinn gehören. Was macht mich aus? Was treibt mich an? Wann empfinde ich Freude? Was stimmt mich traurig? Usw. Nun fließen ständig Außenreize auf uns ein und wie durch einen Filter, aktivieren einige davon in uns ein bestimmtes Gefühl und darüber eine Stimmung, die anderen ziehen spurlos vorbei, (be)wirken nicht. Bei Kindern kann man oft beobachten, wie lebensfroh und positiv sie zunächst an Situationen oder Begegnungen herangehen. Sie „wollen“ (nicht über den Verstand sondern aus sich selber heraus kommend) fröhlich und natürlich sein, zeigen sich meist laut in Lachen oder Tränen. Doch – welche Erinnerung bringen sie jeweils damit in Verbindung? Wie wurde in ihrer eigenen Familie mit Traurigkeit umgegangen? Traurigkeit kann z. B. Aufmerksamkeit oder auch Ablehnung schaffen. Oder Traurigkeit kann als etwas Negatives, etwas, was nicht sein soll, abtrainiert worden sein. Ich spreche hier von einer eher hergestellten (nicht authentischen) Lebensfreude. Welches Modell auch immer vorgelebt und dadurch weitergegeben ist, der Weg führt so manches Mal aus den verschiedensten Gründen dahin, dass Traurigkeit „weggelächelt“ ist/wird. ABER – sie ist da! Sie gehört auch(!) zu einem. Die intelligente Natur hat Dualität vorgesehen. Was bedeutet das? Denken wir an Tag und Nacht, an alles, was zum Zwecke der Regulierung Gegensätzlichkeit benötigt. Wir alle brauchen Spannung aber auch Entspannung. Wir sind wach und müde. Laut und leise. Wir haben in diesem trockenen und heißen Sommer hautnah und deutlich zu spüren bekommen, wie notwendig der Regen ist. Alles Leben ist Dualität, Dualität ist Leben.

Haben Sie sich schon einmal gefragt: „Warum bin ich glücklich?“

oder machen Sie sich Sorgen, wenn es Ihnen gut geht? Ich könnte Sie auch anders fragen: „Was tun Sie?“ Suchen Sie z. B. im Internet nach einer Diagnose wenn Sie Freude empfinden? Nun sind Sie seit drei Tagen in einer guten Stimmung, schmunzeln und genießen Ihre Zeit. Lassen Sie diesen Gemütszustand raus, sichtbar werden oder versuchen Sie dagegen an zu gehen? Schließlich stellen Sie dann auch noch fest, dass Sie in diesem Monat schon eine weitere Phase dieses Gemütszustands hatten. „Darf“ es Ihnen in kurzen Abständen so gehen? Schon wieder fröhlich…oh je, …?“.  Wie sieht es bei Ihnen auf der anderen Seite aus? Wann haben Sie sich das letzte Mal Ihrer Traurigkeit oder Ihrem Seelenschmerz wirklich zugewandt und vielleicht mal zwei Tage im Stück geweint um sich anschließend wie entladen und befreit zu fühlen? In unserer heutigen Zeit gehören Begriffe wie Druck und Stress zum täglichen Vokabular. Alle reden drüber, beschweren sich über… und machen weiter. Selbstredend gibt es nicht immer die sofortige Lösung des Anliegens, doch es gibt definitiv ein eigenes Empfinden in Situationen/Lebensphasen, -umstellung und das heißt es anzunehmen. Gefühle sind existent und gehören dazu. Je nachdem, ob ich mich gut oder nicht gut fühle, resultiert meine Stimmung. Oft kommen Einflüsse von außen, die, neben den gravierenden sozialen Veränderungen und Werte in der heutigen Zeit da sind. Doch es macht manchmal in der Summe dessen mehr mit uns, als wir vermeintlich beachten. Passen meine Werte noch mit den gelebten überein? Empfinde ich Erfüllung und bin glücklich oder empfinde ich eine nicht erfüllte Sehnsucht und bin traurig? Stelle ich mir Fragen wie z. B.: „Was habe ich mal gelernt/studiert und was tue ich heute?“ oder „Wie definiere ich heute mein Familienleben?“ oder „Wen oder was vermisse ich?“

Traurigkeit kennt kein Alter.

  • Ein Kind hat vielleicht sein geliebtes Kuscheltier verloren und ist sehr traurig darüber,
  • Ein Jugendlicher wird gemobbt oder hat seinen ersten Liebeskummer,
  • Ein Erwachsener lebt in einem unerfüllten Kinderwunsch,
  • Die kleine Schwester muss früher ins Bett als der Bruder,
  • Der Azubi kann nicht übernommen werden,
  • Der Fußballprofi erfährt eine Niederlage im Endspiel.

Die Aufzählung ließe sich weit fortführen.

Kommen wir wieder zurück zu Claudia S. mit ihrer Frage:

„Warum bin ich traurig?“

Bei Frau S. taucht diese Frage immer mal wieder in Abständen ihres Lebens auf. Sicherlich gibt es je nach Lebensumstände bzw. –phasen Antworten der unterschiedlichsten Ursachen. Mal ist es die Sinn-Suche, mal das Vermissen oder der Abschied/Trennung, oder es ist vielleicht auch mal nicht mehr oder weniger als einfach nur traurig zu sein. In unserem Fallbeispiel konnten wir gut erkennen, dass es „eigentlich“ keinen Grund zur Traurigkeit gibt, doch Claudia S. ist es manchmal. Vergessen bzw. unterschlagen wir an dieser Stelle bitte nicht, dass Claudia S. auch an vielen Wochen gut drauf ist, sie diese Zeiten doch nicht in Frage stellt sondern einfach nur lebt. Die Feststellung und Akzeptanz all dessen ist oft leichter, als gleich auf die Suche nach einer Diagnose zu gehen. Es gibt nicht immer eine Diagnose dahinter – aber – es gibt IMMER einen SINN! Lassen Sie jeden Teil von sich zu, lassen Sie jeden Teil von sich zu Wort kommen, wenn es wieder einmal heißt: „Warum bin ich traurig? Weil ich heute traurig bin.“ Nicht mehr und nicht weniger, einfach nur traurig und morgen bin ich wieder fröhlich, im Sinne des Liedermachers Herman van Veen mit seinem Stück: Alfred Jodokus Kwak – „Warum bin ich so fröhlich – ich war auch schon mal traurig…“

Ich wünsche Ihnen liebe Leserin und Leser eine wunderbare Zeit der Lebensfreude & Lebendigkeit mit allen Sinnen,

herzlichst Ihre Kerstin Kleber, die sich auch manchmal die Frage stellt: „Warum bin ich traurig?“